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Hintergrund zum Schweizerisches Mückennetzwerk (SMN) für invasive Stechmücken

Angesichts der zunehmenden Verbreitung der Tigermücke in der Schweiz hat das BAFU 2011 ein Basiskonzept zur Bekämpfung dieser invasiven Mückenart und der Krankheiten, die sie übertragen kann, erstellt. Dieses Konzept basierte auf früheren Auswertungen, die im Tessin durchgeführt wurden (Controllo, Sorveglianza, Comunicazione).
Die Masterarbeit von Dr. Susanne Biebinger aus dem Jahr 2013 beschäftigt sich mit der Notwendigkeit, in der Schweiz ein koordiniertes System zur Überwachung und Eindämmung der Tigermücke aufzubauen.


Das Schweizerische Mückennetzwerk für invasive Stechmücken

Das Schweizerische Mückennetzwerk (SMN) ist ein vom Bundesamt für Umwelt (BAFU) finanziertes Projekt zur Überwachung invasiver Mücken, insbesondere von Aedes albopictus (Tigermücke). Die Aufgabe des SMN besteht zunächst darin, landesweit Meldungen von Bürgerinnen und Bürgern über das Vorkommen von Ae. albopictus über eine eigene Webseite (www.zanzare-svizzera.ch) zu sammeln. Diese Webseite dient auch dazu, die Bürgerinnen und Bürger selbst über die Merkmale der invasiven Stechmücken und die neuesten öffentlichen Nachrichten über diese Stechmücken zu informieren. Wenn in einem Kanton eine Tigermücke gemeldet wird, unterstützt das SMN diesen bei der Einleitung von Überwachungs- und Bekämpfungsmassnahmen durch die Arbeit der regionalen Meldestellen.

Gleichzeitig verfügt das SMN über ein aktives nationales Überwachungssystem für Eintrittsstellen, das sich von 2013 bis 2022 auf Schweizer Autobahnen, Häfen und internationale Flughäfen konzentrierte, während es sich ab der Saison 2023 auf Campingplätze, Wohnmobil-Vermietungsstellen, Fernbusbahnhöfe und Touristenattraktionen als mögliche Eintrittsstellen konzentrieren wird.

Alle nationalen Daten über invasive Stechmücken werden zunächst validiert und dann an InfoFauna, das Zentrum des Bundes für die Datenerhebung, weitergeleitet.

Organisation des SMN

Organigramm des Schweizerischen Mückennetzwerks für invasive Stechmücken und  Erläuterungen zum Organigramm.

Meldestellen

Um das Gebiet besser abdecken zu können, gibt es 4 regionale Meldestellen, denen jeweils Kantone zur Meldung zugewiesen wurden:

  • Nord-West (Swiss TPH): AG, BE, BL, BS, LU, NW, OW, SO
  • Nord-Ost (Stadt Zürich): AI, AR, SG, SH, TG, ZG, ZH
  • West (Uni Lausanne): GE, FR, JU, VD, GE, VS
  • Südost (SUPSI): FL, GL, GR, UR, SZ, TI

Jahresberichte des SMN

Generelle Aktivitäten des SMN: 2020, 2021, 2022, 2023, 2024

Nationale Überwachungsaktivitäten: 2013, 2014, 2015, 2016, 2017, 2018, 2019, 2020. Übersichtsartikel zum Schweizer Überwachungsprogramm, 2021, 2022, 2023, 2024

Orientierungshilfe

Orientierungshilfen als Grundlage für die Kantone zur Organisation eines Überwachungssystems für invasive Stechmücken wurden erarbeitet. Anhänge: Invasive Arten, Vektorkompetenz, Überwachung und Kontrolle.


Methoden zur Bekämpfung invasiver Stechmücken

Das wirksamste, ökologischste und kostengünstigste System besteht darin, die Jungtiere der Tigermücken zu bekämpfen, während sie sich noch im Wasser befinden. Bei diesem System werden die Stechmücken auf engem Raum bekämpft, und wenn Produkte verwendet werden müssen, sind die empfohlenen Produkte selektiv für Stechmücken, also umweltfreundlich und schonend für die Gesundheit von Mensch und Tier.

Hier finden Sie einige Materialien, die für die Beteiligung der Bürger an Kontrollmassnahmen nützlich sein können.

Allgemeine Informationsbroschüren

Die Informationsbroschüren heben die wichtigsten Orte hervor, an denen sich Tigermücken entwickeln und die in Privathaushalten kontrolliert werden müssen, um ihre Präsenz zu begrenzen:
– Wasserstellen, die das Potenzial haben, Tigermücken zu produzieren, sollten zwischen April und November wöchentlich entfernt und getrocknet werden.
– Wasserstellen, die nicht entfernt werden können (Schächte usw.), sollten zwischen Mai und Ende September wöchentlich mit den empfohlenen Produkten behandelt werden.

Diese Merkblätter können überall in der Schweiz verwendet werden. Sie enthalten keine speziellen Logos ausser demjenigen des Schweizerischen Mückennetzes. Versionen in Deutsch, Französisch, Englisch und Italienisch.

Anwendung von Produkten auf der Basis von Bacillus thuringiensis israelensis (BTI)

  • BTI-Granulat (VectoBac® G) (Beispiel für ein Merkblatt zur Anpassung IT, DE, FR)
  • Flüssige BTI (Mollex®)

Mechanische Systeme

Im Handel sind wirksame mechanische Systeme erhältlich, die auf Schachtabdeckungen angebracht werden können und den Mücken den Zugang zum Wasser verwehren.

Fallen für adulte Mücken

Fallen für adulte Tiere können unwirksam sein, wenn keine Massnahmen zur Eindämmung aquatischer Formen ergriffen werden. Sie können jedoch dazu beitragen, die Anzahl der adulten Tiere zu verringern. Spezifisch für die Tigermücke sind die Fallen der Firma Biogents.

Adultizide: NEIN!

Der Einsatz von Adultiziden in der freien Natur ist nicht nur verboten, er schadet auch der Gesundheit von Mensch und Tier, bedroht die biologische Vielfalt und fördert die Entwicklung von Resistenzen (Beispiel: ein Merkblatt zur Anpassung gegen Adultizide, IT).


Beispiel für ein kontinuierliches Überwachungssystem

Der Kanton Tessin unterstützt seit dem Jahr 2000 ein System zur Überwachung und Bekämpfung der Tigermücke, in das seit 2009 die von der Problematik betroffenen Gemeinden und die Bevölkerung selbst direkt integriert sind.

Wirksamkeit des integrierten Bekämpfungsmanagements von Aedes albopictus

Das integrierte Vektorenmanagement kombiniert verschiedene Interventionsstrategien, wie z. B. physikalische, chemische und biologische Bekämpfungsmassnahmen, die darauf abzielen, Stechmücken zu reduzieren oder zu eliminieren. Im Rahmen eines sektorübergreifenden Ansatzes werden Gesundheitsbehörden, andere einschlägige Behörden/Organisationen und die Bevölkerung in den Entscheidungsprozess einbezogen, um den Einsatz der Mittel zur Vektorkontrolle zu optimieren.
Zwei im Kanton Tessin durchgeführte Studien haben gezeigt, dass diese Massnahmen wirksam sind und die Tigermücke über Jahre hinweg eindämmen können (siehe Suter et al. 2016 und Ravasi et al. 2021).


Aktionsplan für Epidemien

Um möglichen Epidemien im Zusammenhang mit dem Vorkommen der Tigermücke zu begegnen, hat das Bundesamt für Gesundheit einen Aktionsplan als Leitfaden für die Kantone ausgearbeitet.

Es wurden zudem Leitlinien zu den standardisierten Verfahren zur Bekämpfung von Aedes albopictus (Asiatischer Tigermücke) ausgearbeitet.

Für den Einsatz von Bioziden gegen erwachsene Mücken bei epidemischem Risiko ist eine ausserordentliche bundesweite Bewilligung erforderlich.


Schwammstadt: Wassermanagement und Stechmücken

Bedingt durch den Klimawandel werden ausgeprägte Hitzeperioden und intensive Starkregen in
Zukunft häufiger auftreten. Darin sind sich die meisten Klimamodelle einig. Höchste Zeit also, dass
Gemeinden und Städte das Wassermanagement und die Infrastruktur anpassen und neu ausrichten. Aber wie? Der Verband Schweizer Abwasser- und Gewässerschutzfachleute VSA will mit seiner
strategischen Initiative «Schwammstadt» konkrete Hilfestellungen und Standards erarbeiten und
die Gemeinden und Städte in der klimaangepassten Ausgestaltung der Zukunft unterstützen.

Technischer Hinweis: Schwammstadt und Stechmücken


Zeichnungen der Unterscheidungsmerkmale zwischen invasiven Stechmücken.

Diese Zeichnungen sollen nur die wichtigsten Unterschiede zwischen den drei invasiven Arten hervorheben; sie sind nicht detailgetreu, was die Insekten selbst betrifft.